ABS+ und ASA werden häufig gemeinsam betrachtet: Beide gehören zur Familie der styrolbasierten technischen Thermoplaste, liefern steife, belastbare Bauteile und benötigen ähnliche Druckbedingungen. Bei einem einzelnen Prototyp ist der Unterschied zwischen ihnen oft nebensächlich. In der seriellen FDM/FFF-Fertigung funktionaler Bauteile wird er jedoch entscheidend: Die Wahl beeinflusst nicht nur die Qualität des einzelnen Teils, sondern auch die Wiederholbarkeit der Charge, den Ausschussanteil und die Haltbarkeit des Endprodukts unter realen Einsatzbedingungen.
Die Entscheidung hängt nicht nur von der Festigkeit eines Prüfmusters ab. Berücksichtigt werden müssen Einsatzumgebung, Bauteilgeometrie, Druckstabilität, Farbanforderungen, Montageart und der zulässige Ausschussgrad.
Gemeinsame Basis und zentraler Unterschied
ABS ist ein Terpolymer aus Acrylnitril, Butadien und Styrol. Styrol sorgt für Steifigkeit und einfache Verarbeitung, Acrylnitril für chemische und thermische Beständigkeit, die Butadienphase für Schlagzähigkeit. ABS+ ist eine modifizierte Rezeptur von herkömmlichem ABS, bei der Hersteller die Neigung zum Verzug reduzieren und die Druckstabilität verbessern, während die typische Schlagzähigkeit erhalten bleibt.
ASA hat eine ähnliche Struktur, doch die Butadienphase wird durch Acrylatkautschuk ersetzt. Genau dieser Austausch ist der wichtigste technische Unterschied. Butadien ist gegenüber ultraviolettem Licht empfindlich: Unter UV-Einwirkung bauen sich seine Ketten ab, weshalb ABS in der Sonne vergilbt, versprödet und schrittweise mechanische Eigenschaften verliert. Der Acrylatkautschuk in ASA ist deutlich beständiger gegen UV und Witterungseinflüsse, sodass das Bauteil bei langfristigem Außeneinsatz Farbe und Festigkeit besser bewahrt.
Das hat seinen Preis: Die Acrylatphase macht ASA etwas weniger schlagzäh als ABS. Der Unterschied ist moderat, aber bei Aufgaben mit Stößen oder Vibrationen relevant. Umgekehrt sollte ASA nicht automatisch als stärker gelten: Die tatsächlichen Kennwerte hängen von Rezeptur, Schichtorientierung, Druckmodus und Prüfverfahren ab.
ABS+ ist keine einheitlich standardisierte Rezeptur
Das Pluszeichen definiert keine konkrete Zusammensetzung und keinen garantierten Eigenschaftssatz. Zwei ABS+-Filamente unterschiedlicher Hersteller können sich deutlich in Steifigkeit und Duktilität, Verzugbeständigkeit, Verhalten bei Brücken und Überhängen, Wärmebeständigkeit, Geruch und Emissionen, Farbe und Glanz sowie Stabilität von Charge zu Charge unterscheiden.
Für eine Serie muss daher eine konkrete Marke und Rezeptur qualifiziert werden, nicht ein Material mit allgemeinem Namen. Ergebnisse eines ABS+ lassen sich nicht ohne erneute Prüfung auf ein anderes übertragen: Eine Rezepturänderung beeinflusst Schwindung, Passungen, Festigkeit von Schnappverbindungen und das Verhalten von Gewindeverbindungen.
Wärmebeständigkeit und Mechanik
Bei den thermischen Eigenschaften liegen die Materialien nah beieinander. Die Glasübergangstemperatur von ABS liegt bei etwa 105 °C, ASA bewegt sich in einer ähnlichen Größenordnung. Die Wärmeformbeständigkeitstemperatur (HDT) von ABS liegt je nach Rezeptur und Belastung meist bei 80-100 °C. Beide Materialien arbeiten zuverlässig bei Raumtemperatur und moderat erhöhten Temperaturen, sind aber nicht für dauerhaften Kontakt mit heißen Oberflächen oder Erwärmung über den Glasübergangsbereich hinaus vorgesehen.
Bei Steifigkeit und Zugfestigkeit sind ABS+ und ASA ähnlich. In der Praxis wird die Wahl häufiger durch Einsatzbedingungen als durch Zahlen im Datenblatt bestimmt.
Praxisvergleich

| Kriterium | ABS+ | ASA |
|---|---|---|
| Einsatz im Innenbereich | Meist zweckmäßig | Geeignet; Witterungsbeständigkeit kann überflüssig sein |
| Langfristiger Außeneinsatz | Erfordert gesonderte Bestätigung | Bevorzugte Option |
| UV-Beständigkeit | Hängt von der Rezeptur ab | In der Regel hoch |
| Verzug großer Bauteile | Auch bei modifizierten Marken möglich | Benötigt ebenfalls eine thermisch stabile Kammer |
| Schlagverhalten | Häufig einer der Hauptvorteile | Hängt von Marke und Druckmodus ab |
| Farbstabilität im Außenbereich | Muss geprüft werden | In der Regel besser |
| Nachbearbeitung | Mechanisch, Lackieren, Acetonglättung bei kompatiblen Rezepturen | Ähnliche Optionen; Kompatibilität wird gesondert geprüft |
| Materialkosten | Häufig niedriger | Häufig höher wegen der Spezialisierung |
Wann ABS+ und wann ASA wählen
ABS+ ist eine logische Wahl für Bauteile, die überwiegend im Innenbereich ohne langfristige UV-Belastung eingesetzt werden: Gehäuse für Elektronik und Industriegeräte, interne Halterungen und Montageelemente, Betriebsmittel, Vorrichtungen, Schablonen, Halter, Schutzabdeckungen und funktionale Prototypen. Es ist praktisch, wenn Schlagzähigkeit, moderate Wärmebeständigkeit, mechanische Nachbearbeitung oder Acetondampfglättung benötigt werden und wenn das Produktionsprofil bereits validiert ist und ein Materialwechsel keinen funktionalen Vorteil bringt.
ASA sollte betrachtet werden, wenn das Produkt mit Sonnenlicht, Niederschlag und saisonalen Temperaturwechseln in Kontakt kommt: Außengehäuse für Sensoren und Kameras, Befestigungen für Fassaden, Dächer und Solaranlagen, Teile für Garten- und Kommunaltechnik, automobile Außenteile oder Elemente in Glasnähe, Schilder und Hinweistafeln, Gehäuse für Antennen und Telekommunikationsausrüstung. ASA ist auch im Innenbereich gerechtfertigt, wenn ein Bauteil dauerhaft durch ein Fenster von Sonnenlicht beleuchtet wird oder erhöhte Anforderungen an Farberhalt bestehen.
Wenn ein Produkt mehrere Anforderungen kombiniert, wird nach dem dominierenden Risikofaktor entschieden. Für eine Serie ist es praktikabler, ein Material für die Aufgabe festzulegen, als in jeder Charge denselben Kompromiss neu auszubalancieren. Wenn hohe Verschleißbeständigkeit beim Gleiten, Flexibilität oder Kontakt mit aggressiven Medien gefordert sind, sind Nylon/PA, TPU, PETG oder eine individuelle Rezeptur meist sinnvoller.
Seriendruck: Material plus kontrollierter Prozess
Beide Materialien benötigen ein beheiztes Druckbett und für stabile Ergebnisse eine geschlossene Kammer: Sie hält das Bauteil bei gleichmäßig erhöhter Temperatur und ermöglicht langsames Abkühlen, wodurch innere Spannungen, Verzugrisiko und Delamination sinken. Für die Serie ist das keine Option, sondern eine Anforderung. Manche ASA-Rezepturen verziehen sich weniger als ABS+ und liefern stabile Schichthaftung, werden aber meist in einem höheren Düsentemperaturbereich gedruckt.
Für wiederholbare Ergebnisse sind ein geschlossener Bauraum, stabile Temperatur rund um das Bauteil, keine kalten Luftströme, eine saubere und vorbereitete Bauplattform, kontrollierte Bauteilkühlung, gleiche Vorwärmung der Ausrüstung vor dem Start und schrittweises Abkühlen wichtig. In einer Druckfarm reicht es nicht, nur Düsen- und Betttemperaturen zu kopieren: Drucker unterscheiden sich bei tatsächlicher Heizertemperatur, Luftzirkulation und Förderkalibrierung. Deshalb wird das Profil auf jedem Gerätemodell geprüft, manchmal sogar auf einzelnen Maschinengruppen.
Verzug lässt sich nicht immer allein durch Materialwechsel beseitigen. Oft liegt die Ursache in der Geometrie: lange durchgehende Wände, abrupte Dickenübergänge, eine massive Basis mit dünnem oberen Bereich oder scharfe Innenkanten. Vor dem Serienstart lohnt es sich, Radien in Ecken zu ergänzen, Wandstärken anzugleichen, lokale Rippen einzuführen, die Orientierung zu ändern oder ein großes Bauteil in Montagekomponenten aufzuteilen.
Material für die Serie qualifizieren
Ein Vergleich nur anhand von TDS reicht nicht aus: Ein Teil der Kennwerte wird an spritzgegossenen oder speziell orientierten Prüfkörpern ermittelt und lässt sich nicht direkt auf ein fertiges FFF-Bauteil übertragen. Eine praktische Qualifizierung umfasst:
- Kontrollkörper und reales Bauteil - Ein Standardtest vergleicht Chargen, zeigt aber nicht das Verhalten von Ecken, Schnapphaken und Passsitzen des konkreten Modells.
- Maßprüfung - Bohrungen, Ebenheit, Achsabstände und Montagezonen, nicht nur die Gesamtlänge.
- Bewertung der Schichthaftung, besonders bei Belastung entlang der Z-Achse.
- Wärmetest unter Bedingungen, die dem realen Einsatz entsprechen.
- Montagetest - Schrauben, Einsätze, Rasten, Klebeverbindungen und wiederholtes Zerlegen.
- Umgebungstest - Außeneinwirkung für ASA; bei beiden Materialien Kontakt mit Ölen oder Reinigungsmitteln, wenn das vorgesehen ist.
- Wiederholung auf mehreren Spulen oder Chargen - Ein erfolgreicher Druck reicht nicht aus, um Serienstabilität zu bestätigen.
Annahmekriterien wie zulässige Verformung, Erscheinungsbild, Maße, Masse, Verbindungsfestigkeit und Anteil erfolgreicher Drucke werden vor Beginn der Tests festgelegt.
Die vollständigen Kosten zählen
ABS+ und ASA nur nach Kilopreis zu vergleichen, ist nicht korrekt. Die Serienkosten werden beeinflusst durch die Zahl fehlgeschlagener Drucke, Aufheiz- und Abkühldauer, Nachbearbeitungsbedarf, Maßstabilität, Bedienerzeit, erneute Kalibrierung, Gewährleistungsrisiken nach der Installation sowie Bedarf an Lackierung oder Schutzbeschichtung. Teureres ASA kann für ein Außenprodukt wirtschaftlich gerechtfertigt sein, wenn es das Risiko vorzeitiger Alterung senkt. Gleichzeitig bringt ASA für eine interne Vorrichtung nicht immer einen Vorteil gegenüber bereits qualifiziertem ABS+.
Separat zu beachten ist die Belüftung: Beim Drucken geben beide Materialien Geruch und flüchtige Verbindungen ab. Ein geschlossenes Gehäuse hält die Temperatur, kontrolliert aber allein keine Emissionen in den Raum. Für einen Serienbereich sind daher organisierte Belüftung, lokale Luftabführung oder Filtration erforderlich, abgestimmt auf die Zahl der Drucker und ihre Betriebsdauer.
Fazit
Für funktionale Innenbauteile, Betriebsmittel und Teile ohne langfristige UV-Belastung ist es sinnvoll, die Bewertung mit ABS+ zu beginnen. Für Außengehäuse, Befestigungen und Bauteile, die unter Witterungseinfluss Eigenschaften und Farbe behalten müssen, ist ASA meist der Basiskandidat. Die endgültige Entscheidung fällt nicht nach dem Namen des Polymers, sondern nach Prüfung der konkreten Rezeptur, Farbe, Charge, des Druckprofils und der Bauteilgeometrie.
Bokotech produziert technische Filamente in der Ukraine, darunter ABS+, ASA, TPU, Nylon/PA, PLA, PETG und kundenspezifische Rezepturen, und arbeitet nach dem Modell der Auftragsfertigung sowie OEM / private label. Vor dem Serienstart wählen wir gemeinsam mit dem Kunden das Material für die realen Einsatzbedingungen aus, stimmen Farbe, Spulenformat, Kennzeichnung und Verpackung ab und legen Parameter fest, damit jede Folgecharge vorhersehbar bleibt. Wenn Sie eine Serie funktionaler Bauteile planen und nicht sicher sind, welches Material geeignet ist, sollten Sie mit einer Beschreibung der Einsatzbedingungen des Teils beginnen. Auf dieser Basis wird die Materialwahl eindeutig.